Die Geschichte der Dorfkirche zu Berlin-Blankenburg

Die Blankenburger Dorfkirche während der "Blauen Stunde".
Der Kirchraum von der Innentür aus gesehen, Blick nach Osten zum Altar.
Der Kirchraum von der Empore (Südwesten) aus gesehen.
Altarbild mit Bildnis des Letzten Abendmahls (um 1695).
Stifterwappen derer von Barfuß im Arkanthusrahmen des Altarbildes.
Aquarell von 1834 mit der baulichen Gestalt der Kirche in den Jahren 1700 bis 1938.
Die alten Ziffernblätter der Turmuhr. Sie stehen heute im ersten Obergeschoss des Turms und harren ihrer Restaurierung.

Die Blankenburger Dorfkirche ist nicht nur der natürliche Mittelpunkt unserer Gemeinde, sondern auch das Wahrzeichen des ganzen Dorfes - sie ziert heute unser Gemeindesiegel (Sie sehen es am linken oberen Bildrand) und das Logo des Runden Tisches Blankenburg.

Blankenburg ist buchstäblich um die Kirche herum gewachsen, die auf der Mitte der alten Dorfaue steht und mit den umliegenden Häusern den so typischen märkischen Dorfanger bildet. Das gesamte Ensemble ist schon seit den 1970er Jahren als Flächendenkmal geschützt.

Unsere Kirche entstand im Kern in der Mitte des 13. Jahrhunderts. Zu der selben Zeit, als die zwölf Kilometer entfernte Doppelstadt Berlin-Cölln erstmals urkundlich erwähnt wurde, entstand in Blankenburg ein einfacher rechteckiger Kirchbau, dessen dicke Wände als Zufluchtsstädte der Bauern gegen Raubzüge dienten. Eine erst 2014 wiederentdeckte Wehranlage im Südportal zeigt bis heute von dieser Bedeutung der Kirche. Eine Ausparung in der Wand ermöglichete das Versenken eines langen Holzbalkens, um die Südtür zu versperren. An der Westtür am heutigen Übergang zum Turmraum dürfte es eine ähnliche Anlage gegeben haben.

In den folgenden Jahrhunderten wurde der Bau erweitert. Im 14. Jahrhundert wurde der Chor abgetragen und erheblich vergrößert wieder aufgebaut. Wohl im 17. Jahrhundert wurde die Sakristei an der Nordseite angebaut. Bereits im 15. Jahrhundert erhielt die Kirche einen niedrigen Turm vor dem Westportal.

Ihre das Äußere wie das Innere prägende Gestalt erhielt unsere Kirche im Barock. Zwar war Blankenburg seit dem Mittelalter nicht wesentlich gewachsen, jedoch sahen sich die örtlichen Gutsherren und Kirchenpatrone in der Pflicht, die Kirche auszubauen und auszuschmücken. Die wichtigsten erhaltenen Einrichtungsgegenstände wurden der Kirche zwischen 1695 und 1700 gestiftet, als Blankenburg im Besitz der Herren von Barfuß war. Sie stifteten eine Tafel mit dem athanasianschem Glaubensbekenntnis (Südwand). Aus der selben Zeit stammen ein arkanthusumrahmtes Altarbild auf einem Altarretabel mit dem in Öl ausgeführten Bildnis des Letzten Abendmahls (Chorseite), genau wie das Glaubensbekenntnis mit dem "sprechenden" Wappen derer von Barfuß versheen (Foto), die Kanzel in gemäßigten barocken Formen (Ecke Nordwand/Übergang zum Chor) und der Taufengel (Chorseite, dazu siehe unten). Ebenfalls um 1700 wurde der Turm um ein Glockengeschoss mit zwei Fenstern und eine zweiteilige Turmspitze mit Uhr und Turmzwiebel erweitert. Da Blankenburg ab 1710 Domäne des jungen Königreichs Preußen war, zierte Preußenkönig Friedrich I. die Turmspitze mit seiner Krone. In dieser barocken Gestalt ragte die Kirche fortan fast ein Vierteljahrtausend aus dem noch immer auf seinen Anger und das Gut beschränkte Dorf Blankenburg und aus der flachen märkischen Landschaft heraus und in eben diesere Gestalt wurde sie im Jahr 1834 in einem Aquarell festgehalten (Bild).

In den Jahren 1884/1885, als Blankenburg als Vorort des anschwellenden Berlins zu einigem Wohlstand gekommen war und auch die bis heute den Dorfanger prägenden prächtigen Bauernhäuser entstanden, wurde die Kirche im Stil des Historismus renoviert. Die Fenster wurden vergrößert und in barockere Formen überführt, die Kirche innen ausgemalt. Vom Innenraum aus dieser Zeit sind einige Fotos erhalten. Nach dem Ersten Weltkrieg kam eine Tafel mit den Gefallenen Blankenburgs an der Nordseite hinzu. Nach dem Groß-Berlin-Gesetz 1920 fand sich unsere kleine Kirche als eine von über fünfzig Dorfkirchen der Vier-Millionen-Stadt Berlin wieder. In ihrer romanisch-gotisch-barock-historistischen Gestalt erlebte die Kirche den Wandel Blankenburgs vom Vorort zum sich rasch ausdehnenden Siedlungsgebiet des neuen Berliner Bezirks Pankow.

In den Jahren 1938-1940 wurde die Kirche wegen Bauschäden erneut erheblich umgebaut und erhielt so ihr heutiges Aussehen. Die Fenster an der Chorseite wurden verschlossen, das Innere im Stil der Zeit stark purifiziert. Die Malereien und Einrichtungsgegenstände des 19. Jahrhunderts wurden entfernt. Das Glockengeschoss wurde wegen Baufälligkeit sogar völlig neu gebaut und mit jeweils nur noch einem Fenster versehen, der Turmhelm wegen des begonnenen Zweiten Weltkriegs nur provisorisch ausgeführt. Dieses wenig ästhetische Provisorium musste bis 1998 halten, als der heutige Turmhelm geschaffen wurde, der sich an die Gestalt vor 1700 anlehnt, leider jedoch keinen Raum mehr für die Reinstallation von Uhr und Krone gegeben hat. Der Kirchinnenraum wurde in den frühen 1960er Jahren mit spärlichen Mitteln neu gestaltet und die Holzbalkendecke erneuert. Die alte Turmspitze mit der preußischen Königskrone wurde inzwischen im Turmraum ausgestellt.

Seit dreihundert Jahren werden die Kinder der Gemeinde mit dieser Schale getauft.

Unser Taufengel – übrigens der einzige verbliebene im Berliner Stadtgebiet –, das ist eine Person, in der die Spannungen des ganzen Menschseins im Hegelschen Sinne „aufgehoben“, das heißt in sich vereinigt und zum inneren Ausgleich gebracht worden sind. Das ist ein Wesen voller Anmut und Kraft, begabt mit Freiheit, jedoch ohne Willkür und falschen Eifer, ein Wesen mit Spannkraft und Lockerheit; jemand, der Abenteuerlust und Eleganz in sich vereinigt, der Männliches und Weibliches in seiner Erscheinung perfekt ausbalanciert hat. Ein Bote, der etwas will, ohne dass wir die Absicht merken und verstimmt sind. Ein Diplomat im besten Sinne des Wortes. Lasset die Kindlein zu mir kommen, so teilt der Engel es mit einer Banderole mit, die er bei sich trägt. Seit dreihundert Jahren hält er dazu die Taufschale, in der das Wasser ruht, das die lebendige Verbindung zu Jesus Christus schafft, der diese Worte vor zweitausend Jahren gesprochen hat.

Die einzige vom barocken Geläut erhaltene Bronzeglocke.
Turmspitzkugel, Bronzeglocke und Königskrone stehen heute als zeitgeschichtliche Denkmale im Turmvorraum.

Im obersten Turmgeschoss hängen drei Glocken. Sie wurden 1924 in Lauchhammer aus Gussstahl gegossen und ersetzten die barocken Bronzeglocken, die die Gemeinde im Ersten Weltkrieg als Metallgabe für die Rüstung opfern musste. Wie durch ein Wunder blieb eine dieser reich geschmückten Bronzeglocken von 1680 erhalten. Sie ist heute im Turmraum ausgestellt. Zwar klingt sie nicht mehr, doch ist sie gemäß ihrer Inschrift ("GOTT ZU EHREN/ZU BEFODERUNG GUTER ANDACHT/DER POSTERITET ZUM ANDENCKEN/UNDT/ZU VERBESSERVNG RÜHMLICHER ORDNUNG...") als zeitgeschichtliches Denkmal der Gemeinde immerhin frei zugänglich. Als ebensolches sind auch die frühere Turmspitze und die preußische Königskrone anzusehen, die neben der Glocke stehen. Die Krone erinnert daran, dass das Patronat unserer Kirche einstmals mit dem preußischen Thron verbunden war.

Seit jeher rufen unsere Glocken zum Gebet auf und verkünden den Frieden. Sie sind der Inbegriff von Freudenklängen. Und doch läuten sie auch, um das Sterben eines Menschen zu vermelden. Ihr Läuten ist in einer [Läuteordnung] geregelt.

BESICHTIGUNG

Die Besichtigung der Kirche ist immer sonntags nach dem Gottesdienst und während der Bürozeiten des Gemeindebüros mittwochs von 15.00 bis 18.00 Uhr sowie donnerstags von 9.00 bis 12.00 und 15.00 bis 17.00 Uhr möglich. Kirchenführungen bieten wir nach Absprache an.